Chaplin, City Lights Scenes, 1931 (Museum of Modern Art)

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CITY LIGHTS 1/3


Nebeneinander – Grossstadt. Wo arm und reich nebeneinander leben, ohne sich zu berühren.

Chaplin ist auf Anhieb gelungen, was Brecht im Kreidekreis oder beim Puntila vergeblich

versucht hat: aus der Kunst herauszukommen.



              Fritz Hirzel, Notizen, undatiert


Chaplin ist auf Anhieb gelungen, was Brecht im

Kreidekreis oder beim Puntila vergeblich versucht hat:

aus der Kunst herauszukommen.

      City Lights, 1930. Lichter der Grossstadt, Illumination, Illusion,

wie eng beisammen ist das hier. Grossstadt, dort,

wo arm und reich nebeneinander leben, ohne sich zu berühren.

      Das Boxen wieder – als Paradenummer, aber diesmal

ohne Hund, der Charlie doch zuletzt noch rettet.

      Das blinde Mädchen, die grosse Liebe, die Charlie an der

Strassenecke findet. Sie bringt ihn dazu zu arbeiten,

die Frau erneut, wie dann später auch in Modern Times. Sie ist aber

auch die leicht Täuschbare: der Mensch, der nicht sehen kann.

Blindheit als Kinothema.

      Sentimental, romantisch. Äusserst spärlicher Gebrauch

des Tons. Ein Grammophon wird angestellt, aber das Orchester

fidelt ruhig darüber hinweg. Man hört ihn nicht,

man sieht ihn nur.

      Warnung: Vertraue nicht der Gutmütigkeit der reichen Leute,

des reichen Mannes in diesem Fall.

      Ein grosses Thema, am Millionär schon voll entfaltet:

die Verwandlung eines Charakters zwischen Rausch und

Nüchternheit. Siehe Brecht: Puntila und sein

Knecht Matti.

      Die Stadt.

      Der Selbstmord.

      Der Alkohol.

      Der Reichtum. Die Armut.

      Das Auto.

      Spaghetti essen, Fasnachtsschlangen: Charlie frisst beide.

Leert ihm Flasche in Hose. Mein Freund. Umarmung.

Wer ist dieser Mann? Polizei. Schon am Flussufer. Beim

Überfall wieder, wo der beschenkte Charlie des

Diebstahls verdächtigt wird.

      „Kannst du jetzt sehen?“

Sie nickt. Sie sieht ihn. Er ist nicht der reiche Mann, nicht der

feine Herr, sondern nur ein armer Teufel.

      Sehen lernen, erkennen lernen.

      Das Einfache ist in diesem Film das Grosse, und das beginnt

schon, ganz hart, beim Stoff. Die Sentimentalität eines

Groschenromans. Das arme Mädchen, das vom Prinzen träumt.

Blind. Und Charlie, tatsächlich, begegnet einem

Prinzen, einem Millionär. Und fällt darauf herein. Muss lernen

misstrauisch zu sein.

      Die Realität. Das ist die zerschlissene Hose. Das ist die

angedrohte Kündigung. Das Fieber. Aber der Hinterhof. Der ist

romantisch.

      Strassenkehrer. Sinnverlassene Tier-Welt. Zirkuspferde.

Elefanten. Einige einsame Akteure aus dem vorangegangenen

Film, The Circus, den Benjamin das erste Alterswerk

der Filmgeschichte genannt hat.



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