Keystone Co., Longacre Building, NYC, Brown Brs., Postcard

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OFFENBARUNG!

CHAPLIN AT KEYSTONE


Die Frage ist, was haben vor hundert

Jahren gedrehte Slapstick Comedies mit unserer

Welt der Casting und Reality Shows zu tun?

Einiges. Die Themen sind die gleichen wie heute.

Sauftour mit Fatty? Hier lang.



               Fritz Hirzel, Wie der Tramp entstand,

               Filmhaus Nürnberg, 8. Dezember 2013, Flyer


Es sind 34 Filme, die 2010 restauriert veröffentlicht

worden sind. „Das überschäumendste Set des

Jahres könnte zugleich das lehrreichste sein.“ Das schreibt

The New Yorker am 13. Dezember 2010 über die DVD

Chaplin at Keystone.

      Es ist O-Ton von Richard Brody. „Chaplin at Keystone

versammelt alle 34 erhaltenen Filme (einer gilt als

verloren), die Chaplin 1914 für das Mack Sennett Studio

gemacht hat. Das Frühwerk ist von grosser historischer

Bedeutung – es ist hier, wo Chaplin die Persona des Tramps

annimmt und ein Regisseur wird.“

      Und was ist mit dem Building auf der Postkarte,

East Side of Broadway North from 42nd Street,

New York City? Hier hat Chaplin den Vertrag unterschrieben,

hier befindet sich die Muttergesellschaft der

Keystone Company.

      Chaplins Schatten. Der Tramp. Am 7. Februar 1914

kommt er das erste Mal in die Kinos. Kid Auto Races at Venice,

Cal. heisst der Film. Es ist alles schon da, von der

ersten Sekunde an. Ein kompletter Darsteller tritt vor die Kamera.

      Wie der Tramp in Branchenblättern und Tageszeitungen

ankommt? Klicken Sie durch Zeitungsausschnitte zu den 1914

von Chaplin gedrehten Filmen!

      Diese frühen Filme erscheinen ihrer sozialen Härte

wegen heute besonders aktuell und bedürfen erst recht der Wiederentdeckung.

      Seine Aktualität hat Chaplin, was nicht zu erwarten

gewesen war, ausgerechnet in den verpönten Slapstick Comedies

seiner Frühzeit mit ihrem vulgären, anarchischen, brutalen

Umgang, der ein sarkastischer Kommentar zu Schranken und Gepflogenheiten einer zerrissenen Gesellschaft ist.

      Die Anzeigen, Zeitungsartikel und Fotos der Branchenpresse

von zeitgenössischen Filmtheatern sind hier erstmals

veröffentlicht. In der Summe der Dokumente aufersteht auf den

Spuren des Tramps im inneren Auge des Betrachters

ein Bild der verschwundenen Welt des Kinos.



ANGETRETEN


Making a Living

Der erste Film, den Chaplin dreht, als er 1914

seinen Vertrag bei Mack Sennett in der Keystone Company antritt, ist Making a Living. Und

die Figur des Tramps ist da noch nirgendwo zu sehen.  Mehr.

                  Clippings


TRAMP


Mabel‘s Strange Predicament

Gedreht wird Mabel‘s Strange Predicament, ein Durcheinander im Hotel, bei welchem Henry Lehrman

die Regie nicht nur mit Mack Sennett, sondern

ebenso mit Mabel Normand zu teilen scheint.  Mehr.

                  Clippings


KINOPREMIERE


Kid Auto Races at Venice, Cal.

Der Tramp hat aber nicht in Mabel‘s Strange

Predicament Kinopremiere. Während der Dreharbeiten

zu dem Film entsteht Kid Auto Races at Venice,

ein vollkommen improvisierter Streifen. Mehr.

                     Clippings


BUHLEN


Between Showers

Letzter Film unter Henry Lehrmans Regie, einziger

mit Ford Sterling, für den Chaplin geholt worden

ist. Es hat geschüttet. Sterling und Chaplin buhlen drum, Emma Clifton über eine Pfütze hinweg zu helfen. Mehr.

                  Clippings


VERALBERT


A Film Johnnie

Was hier ganz prächtig auf den Arm genommen

wird, ist nichts weniger als das Filmbusiness

selbst. Charlie bewundert im Kino das „Keystone

Girl“ und schafft es in das Studio hineinzukommen. Mehr.

                  Clippings


GESCHÄKER


Tango Tangles

Ein Bravourstück, das am erhellendsten ist

im intimen Detail. Mack Sennett inszeniert. Er dreht

in der Venice Dance Hall am Abbott Kinney Pier.

Das komplette Staraufgebot nimmt er mit. Mehr.

                  Clippings


SAUFEN


His Favourite Pastime

Sie heisst Peggy Pearce, ist achtzehn und

Chaplins erste Liebe in Hollywood. Es ist ihr einziger gemeinsamer Film. Sein Lieblingszeitvertreib?

Erst das Trinken, dann einer Frau nachlaufen. Mehr.

                  Clippings


LIEBESWAHN


Cruel, Cruel Love

Sie schäkern. Er sitzt am Boden, ihr zu Füssen.

Ein wohlhabender glücklicher Gentleman.

Bis die Geliebte ihn mit dem Dienstmädchen erwischt

zu haben glaubt und Schluss macht. Mehr.

                  Clippings


FLIRT


The Star Boarder

Charlie, Gast in einer Pension, flirtet mit des

Inhabers Gattin. Spaziergang, Geschäker

am Waldrand, Liebelei. Taucht der Pensionsbesitzer

auf, der eifersüchtig den beiden nachspürt. Mehr.

                  Clippings


ALLE GEHEN BADEN


Twenty Minutes of Love

Liebeshändel im Park. Es kommt zu einer Rangelei

am nahen Teich, ein Polizist mischt sich ein.

Alle gehen baden, nur Charlie und das Mädchen

nicht, mit dem er sich am Schluss davonmacht. Mehr.

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PREMIER OF GREENLAND


Caught in a Cabaret

Was Chaplin in seinem Aufbegehren zustatten kam,

war bereits der Rückhalt seiner Popularität. Und dieser hatte Chaplin es zu verdanken, wenn er nach dem Krach mit Mabel Normand durchsetzte, selbst Regie zu führen. Mehr.

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REGISSEUR


Caught in the Rain

Insgesamt unterschieden sich, das wurde sehr

bald deutlich, vorerst auch die Filme des

zum Regisseur avancierten Chaplin nicht sonderlich

von dem, was sonst bei Keystone als üblich galt. Mehr.

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FRAU


A Busy Day

Chaplins erste Frauenrolle, im Kino mit dem Dokumentarfilm The Morning Papers zu sehen. Chaplin,

die eifersüchtige Ehefrau. Mack Swain, ihr Mann.

Alice Howell, dessen Flirt. Ein verrücktes Puzzle. Mehr.

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VERHEIRATET


Mabel‘s Married Life

Im Eröffnungsbild zu Mabel‘s Married Life sitzen

Charlie und Mabel, sie sind miteinander verheiratet, auf einer Parkbank, Charlie sucht sein Bein einzuhängen

wie Harpo später, der Lockenkopf der Marx Brothers. Mehr.

                  Clippings



Die Frage ist, was haben vor hundert Jahren gedrehte

Slapstick Comedies mit unserer Welt der Casting und Reality

Shows zu tun? Einiges. Die Themen –  Alkohol, Sex, Geld, Aufmerksamkeit, Beziehungstroubles, Untreue, Eifersucht – sind

die gleichen wie heute. Sauftour mit Fatty? Hier lang.



ANÄSTHESIERT


Laughing Gas

Arzthelfer Charlie macht sich an ein Mädchen

ran, das Bein gleich auf ihrem Schoss – wie Harpo

Marx später. Entschlossener Eroberer.

Mundbehandlung entgleitet auf tiefgestellten Praxisstuhl. Mehr.

                  Clippings


NICKELODEON


The Property Man

Ungemein rüppelhaft. Ungemein zählebig. Ein

Renner des Nickelodeon. Noch in den 1970ern sind

Szenen daraus im Hauptbahnhof Zürich

per Münzeinwurf im Gucklochautomaten zu besichtigen. Mehr.

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LIEBE


The Face on the Barroom Floor

Erst Jahre, nachdem er produziert worden war,

entdeckt ihn Deutschland. „Der Film“ – er heisst Alkohol und Liebe –„zieht seine Wirkung (mit) aus der

Rohheit seiner Beschauer“, schreibt Bertolt Brecht 1921. Mehr.

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FRAUENROLLE


The Masquerader

Ende August erschien The Masquerader,

die zweite Burleske, die Chaplin im Filmstudio

ansiedelte, das zweite Mal auch, dass

er eine Frauenrolle spielte. Mehr.

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SAUFTOUR


The Rounders

Chaplin mit Arbuckle auf einer Sauftour. Noch

einmal eine Änderung im Kostüm. Beide,

also auch Chaplin, im Frack und mit Zylinderhut. Alles

endet im Wasser, nicht etwa bloss im geistlichen. Mehr.

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VERWICKLUNG


Those Love Pangs

Strassenecke, Charlie macht sich an ein wartendes

Mädchen heran, spielt mit der Taschenuhr rum,

merkt nicht, dass ihr Freund dazukommt, sieht Irrtum

ein, zieht ab, einer Mauer entlang. Mehr.

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KNETEN


Dough and Dynamite

Oben im Café die feine Gesellschaft, die sich an

weiss gedeckten Tischchen bedienen lässt; unten in der

Backstube die, die kneten und schuften sollen,

die Bäckereiarbeiter. Mehr.

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ÜBEREINKUNFT


His Trysting Places

Dann, mit einem Mal, als hätte er mit

den Zuschauern im Kino diese Übereinkunft längst

getroffen, haut Charlie ihm den noch vollen

Teller mitten ins Gesicht. Mehr.

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ÜBER KREUZ


Getting Acquainted

Charlie und Mabel, ihren Ehepartnern entflohen,

flirten auf einer Parkbank miteinander. Der im

Westlake Park in einem Tag gedrehte Einakter hält

nichts von Ziegelsteinwerfen und finalem Bad. Mehr.

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ABENDFÜLLEND


Tillie‘s Punctured Romance

Unterdessen hatte Sennett bei Kessel und

Baumann, den New Yorker Partnern,

ein Prestigeunternehmen durchgesetzt, den

ausgewachsene Komödienspielfilm. Mehr.

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BERLIN


Einfuhrverbot für „Chalot“

Chaplins Keystone-Filme laufen im Ersten Weltkrieg

in Frankreich und in der Schweiz, nicht aber in Deutschland. In Berlin gelingt es Otto Schmidt nicht

an „Charlot“ – er schreibt „Chalot“ – heranzukommen. Mehr.



Kaum je hat die Nachwelt diese Filme bisher vor dem

Hintergrund der Theaterauftritte betrachtet, die Charles Chaplin

in den USA zuvor bereits bekannt gemacht haben. Vor

allem vom Betrunkenen, seiner Paraderolle, und deren Gusto

sind in den Filmen mannigfach Spuren zu erkennen.

Der angewidert aus seiner Wäsche stierende Betrunkene

ist im Kino erst recht für Lachwellen gut.


Chaplin At Karno´s, NYC

Chaplin At Karno´s, USA/Canada


Zu Chaplins späteren Filmen finden Sie tausende Bilder

und Texte unter Exhibition.


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Chaplin at Keystone, DVD Box Cover, Flicker, Los Angeles, 2010