Mit The Kid-Nitratkopie auf der Fähre von New Jersey – Berenice Abbott (Fotograph), Changing New York, New York 1939

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THE KID 4/7


Tom Harrington – Chaplin, der sich auf der Flucht

vor Alimentenforderungen versteckt und in

seinen Hotelzimmern auf den im New Yorker Verkehr

stecken gebliebenen Tom Harrington wartet,

der die Blechbüchsen mit The Kid, Chaplins Kapital,

im Taxi zu transportieren hat!



               Fritz Hirzel, Chaplins Schatten. Bericht einer

               Spurensicherung. Zürich 1982


Jack Wilson kannte Dave Horsley, einen Filmpionier,

der drüben in Barrymore, New Jersey, ein Studio hatte, das

nicht in Betrieb war. Nachdem sie Horsley aufgetrieben

und er sich einverstanden erklärt hatte, liess Totheroh am

Eingang ein Firmenschild anbringen, das sie eigens

hatten anfertigen lassen, das Firmenschild einer Blue Moon

Film Company.

      Der Geschäftsverkehr erlebte gerade seine Tagesspitze, als

sie auf einem der ferryboats den River überquerten, um

nach New Jersey hinüberzukommen. Zwar schmeckte Totheroh

verdächtige Schwaden, die aus ihrem Lastwagen kamen,

realisierte aber nicht, dass dies das Nitrat war.

      Er ahnte zwar, dass sie durch Erschütterungen jeden Moment

hochgehen konnten. Und dann, als er nach der Ûberfahrt

einige der Büchsen zu öffnen begann, stellte er fest, wie nahe

sie daran waren zu explodieren.

      Angenommen, die Büchsen wären auf dem Fährschiff

explodiert  – Totheroh hatte sie als „Machine Tools“ deklariert! 

Nun, ins Bett kamen die beiden überhaupt nicht. Erst

mussten sie Gestelle herrichten, um all die Filme, all die Negative ausbreiten zu können, Hunderte von Szenen.

      Totheroh schickte Wilson in einen Delicatessen um Essen

zu holen, zudem besorgte Wilson ein paar Moskitonetze, damit

sie von den Mücken nicht völlig verstochen würden. Zwei

Rollen hatten sie fertig. Tom Harrington kam jeweils herüber,

Totheroh gab ihm jedes Mal eine Rolle mit.


Chaplins Kapital

Eines Nachts, als Totheroh gerade etwas Luft schnappen

wollte, traten angeblich zwei Männer an ihn heran, italienisch aussehende Typen, die von einem Chaplinfilm redeten

und ihm 30 000 Dollar boten, wenn er den Eingang zu schliessen vergesse. Darauf wurden sogar einige guards angeheuert.

      Totheroh hatte einen Rohschnitt, nach welchem sie arbeiteten,

und schliesslich war eine Arbeitskopie fertig. Mit der Fähre

kam erneut Tom Harrington herüber, dem Totheroh eine weitere

Rolle des fertig gestellten Films aushändigte.

      Chaplin hatte sich inzwischen unter dem Namen Spencer,

seinem zweiten Vornamen, im Ritz Carlton einquartiert,

wo er sich fürs erste in seinen Räumen verschanzte. Was war

mit dem Komplott, mit dem Verdacht, die First National

wollte sich hinter den Ansprüchen von Mildred Harris verstecken?

      Stellen wir uns die Winkelzüge dieser Farce im Detail

vor: Chaplin, der sich auf der Flucht vor Alimentenforderungen

versteckte und in seinen Hotelzimmern auf den im New

Yorker Verkehr stecken gebliebenen Tom Harrington wartete,

der die Blechbüchsen mit The Kid, Chaplins Kapital,

im Taxi zu transportieren hatte!

      Es war derselbe, noch immer ungeklärte Verdacht, den Chaplin

nicht los wurde. Zuletzt waren Mildred Harris 100 000

Dollar geboten worden, eine Summe, mit der sie einverstanden

schien. Warum also hatte sie es immer wieder hinaus

gezögert, die Dokumente zu unterschreiben?



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